Niemand weiß es, auch nicht die Bahn!
Derzeit wächst die Wirtschaft in Europa unterschiedlich schnell, der Güteraustausch über Grenzen hinweg nimmt trotzdem zu. Die Transportkapazitäten auf der Schiene sind schon lange zu knapp. Die der Bahn ohnehin. Die Politik hat die Bahn, auch die Gütersparte, zu lange vernachlässigt, ja kaputtgespart. Dabei sollte sie als die umweltfreundlichste Transport-Variante hätte besonders gefördert zu werden.
Bis durch den Brenner-Basistunnel irgendwann in den dreißiger Jahren Züge rollen können, wird der Güterverkehr mangels Kapazitäten der Bahn zwangsläufig auf der Straße weiter anwachsen. So viel scheint sicher. Wie stark er anwachsen wird, weiß aber offenbar niemand. Es existieren keinerlei fundierte Prognosen dazu. Eine vom Bundes-Verkehrsministerium vor mehr als 5 Jahren Jahren durchgeführte Schätzung des bis zum Jahr 2050 zu erwartenden Bedars an Trasnportkapazität basiert auf einer Hochrechnung analog zur geschätzten Zunahme des BIP (Bruttoinlandsprodukt). Sie stellt nach eigener Aussage jedoch keine Prognose dar.
Dass der Güterverkehr von den Straßen stärker auf die Schiene verlagert werden muss, ist unbestritten. Doch dass die Bahn angesichts der trotz Sondervermögens viel zu knappen Finanzmittel für den BNZ an einem Neubau zwischen Grafing und Kiefersfelden/Kufstein festhält, erscheint zumindest fragwürdig. Ob dieser tatsächlich notwendig ist, hat sie nicht ergründet. Es fehlt ihr auch das Wissen darüber, welche Kapazitäten die Bestandsstrecke durch das Optimieren der Signaltechnologie zusätzlich schaffen lassen; im Gegenteil. Sie möchte die Signaltechnik auf der alten Trasse erst dann modernisieren, erst soll der BNZ gebaut werden.
Worauf die Bahn dieses Vorgehen stützt ist eine vor Jahren vom Bundestag angestellte Nutzen-Kosten-Rechnung. Diese weist einen Faktor von 1.4 aus, würde den Bau vorkswirtschaftlich also rechtfertigen. Der Kostenrahmen wurde damals schon in einer Spanne von 9 bis 15 Milliarden Euro benannt. Nur – diese Berechnung stammt aus der Zeit der Grobplanung, ohne die auf Druck der Bürgerinitiativen zwischenzeitlich eingearbeiteten Änderungen mit vielen zusätzlichen Kilometern an Tunneln, die aufgrund ihrer Länge jeweils mit zwei getrennten Röhren ausgeführt werden müssen.
Auf welche Werte sich die Berechnung stützt, will der Bundestag nicht preisgeben. Informations-Freiheitsgesetz hin oder her.