bewegt Seit 2021 die Gemüter
So lange schon beschäftigt das Projekt die Bürger von Aßling.
Die Geschichte dahinter ist um einiges älter.
Vor über 50 Jahren Jahren haben die Staaten entlang der Nord-Süd-Verkehrs-Achse von Schweden nach Italien damit begonnen, Wege zu suchen, um den Güterfernverkehr so weit wie möglich von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Beim Umsetzen des Vorhabens kommen den Ländern Deutschland, Österreich und Italien Schlüsselrollen zu. Österreich und Italien tragen mit dem Bau eines neuen Bahn-Tunnels unter dem Brennerpass, dem Brenner-Basistunnel, die Hauptlast. Sie müssen den schlimmsten Engpass auf der Strecke beseitigen. In Deutschland müssen „nur“ viele Kilometer Fernstrecken modernisiert und leistungsfähiger ausgebaut werden.
Schon 1971 entstand eine Arbeitsgruppe „Achse Brenner“. Sie hatte den Auftrag, eine Studie über eine neue Bahntrasse über den Brenner mit tief liegendem Basistunnel zu erstellen. 1980 lag die Studie vor. Auf deren Basis ließen die Verkehrsministerien der Länder eine Machbarkeitsstudie erstellen. Diese lag 1989 vor, das Ergebnis positiv. Die Verkehrsminister sgeneten sie ab. Vier Jahre später lagen auch Machbarkeitsstudien zu den nördlichen und südlichen Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel vor.
Seit 2007 wird von Österreich und Italien aus am Brenner-Basistunnel gearbeitet. Vor kurzem konnte der Durchstich für Erkundungsstollen gefeiert werden. Auch beidseits des Tunnels wird gearbeitet. Italien baut die Strecke durch das Eisacktal zwischen Bozen und Franzensfeste aus, in Österreich ist die Zulaufstrecke durch Tirol – ein zweites Gleispaar entlang des alten von Kufstein bis Innsbruck – beinahe fertig. Siehe auch https://www.brennernordzulauf.eu/historie.html
Und in Bayern?
In Bayern startete die Bahn 2015 einen Bürgerdialog für den Ausbau der Strecke durch das Inntal südlich von Rosenheim. Nach schier endlosen Kämpfen wurde die Trasse für ein zweites Gleispaar von Ostermünchen östlich um Rosenheim herum bis nach Kufstein in Tirol ausgewählt. Das letzte Wort scheint aber selbst zu Beginn des Jahres 2026 noch nicht gesprochen. Der enorme Widerstand gegen die gewählte Trasse mobilisiert auch die Politik. Ein Blick in die BNZ-Rubrik des OVB gewährt interessante Einblicke.
Im Juli 2020 richtete die Bahn für den Planungsraum Grafing–Ostermünchen ebenfalls ein Dialogforum ein. Mitglieder sind die Bürgermeister der betroffenen Städte und Gemeinden, Bürgerinitiativen, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Landkreise und von regional maßgeblichen Institutionen. Manche Beteiligte bezeichnen das Forum als Alibi-Veranstalrung der Bahn.
Im Dezember 2021 legte die Bahn das Ergebnis einer Grobplanung für diesen Abschnitt vor. Er umfasste vier Trassen-Varianten. Drei davon sollten teils weit entfernt von der Bestands-Strecke verlaufen, würden viele wertvolle landwirtschftliche Flächen verbrauchen und die Landschaft massiv beeinträchtigen. Naturgemäß wurden sie von den betroffenen Bürgern abgelehnt.
Gegen die Pläne aktiv wurden einzig Josef Schwäbl, Bürgermeister der relativ wenig betroffenen Gemeinde Bruck, und Andreas Brandmaier aus Niclasreuth (Gde. Aßling). Sie erhoben massive Einwände gegen die Pläne. Gleichzeitig entwickelten sie unabhängig von einander eigene, sich ähnelnde Varianten für Trassen entlang der jetzigen Strecke. Anfang 2022 hatten beide Gelegenheit, ihre Versionen den Planern der Bahn vorzustellen und zu begründen. Die Planer griffen die Vorschläge auf, prüften sie anscheinend wohlwollend, griffen die jeweils machbaren Teile der beiden Varianten auf, verschmolzen sie zu einer und nahmen sie als Variante „Türkis“ in das Auswahlverfahren auf. Diese fand in Politik und Bevölkerung schnell Zustimmung, die Bezeichnung „Bürgertrasse“ entstand. Sie rief aber auch sofort Gegner auf den Plan.
Angesichts dieses Konfliktpotenzials holte Sepp Schwäbl einen Vorschlag aus der Schublade, den er zeitgleich mit seiner Variante BLAU entwickelt, aus taktischen Gründen aber zurückgehalten hatte. Um den Fernverkehr aus dem Bahnhof Aßling herauszulösen sah dieser vor, nur mit dem neuen Gleispaar nördlich von Aßling auf die Trasse ROT zu schwenken und ihr weiter zu folgen. Diesen überarbeitete er auf Basis der Trasse TÜRKIS der Bahn und präsentierte ihn als Variante BLAU V2 Mitgliedern der Bürgerinitiativen und der Politik. Mit Ausnahme eines betroffenen Grundstücks-Eigners fand der Vorschlag allgemein Zustimmung. Leider aber keine Unterstützung, weder auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene.
Am 13. Juni 2022 legten die Planer der Bahn das Ergebnis ihrer Bewertungen vor. Die Wahl war auf die Variante LIMONE gefallen. Diese führt weit westlich des Bestands über Dämme, Gräben und Tunnel durch Wälder und landwirtschaftliche Flächen. Den Ort Dorfen schrammt sie knapp westlich, Niclasreuth ebenfenfalls. Beide Orte gehören zur Gemeinde Aßling. Naturgemäß hielten sich Erleichterung und Wut in der Aßlinger Bürgerschaft nahezu die Waage. . .
Soweit in Stichpunkten das Geschehen bis gegen Ende 2022. Über Details und die weitere Entwicklung berichte ich in Beiträgen, zu finden in der Spalte rechts. Alle für das Publikum bestimmten Informationen publiziert die Bahn auf einer eigenen Homepage zum Brennernordzulauf.
Woher ich das alles weiß? Mit Sepp Schwäbl bin ich seit viele Jahren befreundet. Als Aßlinger kenne ich mich rund um den Ort recht gut aus; insbesondere im Terrain links und rechts der jetzigen Bahnstrecke. Die Vorschläge der Planer haben wir lange diskutiert und, da wir sie wenig überzeugend fanden, eigene Gegenvorschläge erarbeitet.
Da der Zug mittlerweile scheinbar unaufhaltbar auf die Trasse LIMONE zusteuert hat sich Sepp Schwäbl ausgeklinkt. Mir bleibt, mehr oder weniger amüsiert, zu beobachten, wie die beiden BIs für ihr jeweiliges Anliegen kämpfen, ohne den Kompromiss-Vorschlag eines Blickes zu würdigen.